Text zur Taufe, was sagt Ihr dazu?

  • Ihr Lieben,


    nächste Woche wird mein Patenkind getauft und ich hab ihm einen Brief geschrieben. Kindgerecht ist er nicht unbedingt, aber ich dachte mir, dass der Kleine ja (hoffentlich) den größten Teil seines Lebens ein Erwachsener sein wird ;-)


    Vielleicht habt Ihr Lust, ihn zu lesen ... und falls ich irgendwelche Apsekte vergessen habe, die noch wichtig sein könnten, freue ich mich über Eure Anregungen.


    Danke :)



    Lieber XXX,

    heute, am Tag Deiner Taufe, bist Du noch ein Baby, und dennoch schreibe ich Dir diesen Brief. Später, wenn Du größer bist, wird man ihn Dir vielleicht vorlesen oder Du kannst ihn selbst schon lesen.

    Ich möchte Dir gerne sagen, dass ich mich unendlich gefreut habe, als Deine Mama mich im vergangenen Jahr angerufen und mir erzählt hat, dass Du unterwegs bist. Wir haben beide vor lauter Rührung ein paar Tränchen verdrückt; als Du dann endlich auf der Welt warst und wir beide, Du und ich, uns kurz darauf kennen gelernt haben, war das etwas ganz besonderes für mich.

    Du hast mich damals ein bisschen skeptisch mit großen Augen angeschaut und bist kurz darauf in meinem Arm eingeschlafen. Ich hab die Luft angehalten und versucht, mich so vorsichtig wie nur möglich zu bewegen, damit ich Dich nicht wecke.

    Obwohl ich so weit weg von Dir und Deiner Familie lebe, heute ist es Berlin, wer weiß, was es sein wird, wenn Du dies lesen wirst, haben sich Deine Eltern dazu entschieden, mich als Deine Patentante auszuwählen. Ich kann wohl nicht so oft bei Dir sein wie Deine anderen Verwandten, das bedeutet aber nicht, dass ich deshalb seltener an Dich denke. Wenn Du größer bist, können wir telefonieren oder uns schreiben, wenn Du magst. Und bis dahin frage ich bei Deinen Eltern, wie es Dir geht und ob Du etwas brauchst.

    Deine Mama hat gesagt, sie könne sich bei mir darauf verlassen, dass ich Dich immer lieb haben und für Dich da sein werde, ganz egal, welchen Weg Du einmal einschlagen möchtest – ob Banker oder Punker, sagte sie, die soave weiß in jeder Situation, wer oder was dann richtig für mein Kind ist. Das ist ein großes Kompliment, das ich nicht vergessen und dem ich möglichst immer gerecht werden möchte. Das ist mein persönliches Taufversprechen an Dich.

    Wenn Du damit einverstanden bist, werde ich Anteil an Deinem Leben nehmen.
    Falls Du Dich vernachlässigt fühlst oder falls ich Dir vielleicht auch mal auf die Nerven gehe, dann sag mir das bitte geradeaus.

    Für heute gratuliere ich Dir ganz herzlich zu Deiner Taufe, Deinem ersten großen Fest.
    Ich freue mich auf viele weitere mit Dir gemeinsam und wünsche Dir für Deinen weiteren Lebensweg sehr viel Liebe, Glück, Gesundheit, Freude, spannende Herausforderungen und immer die Unterstützung, die Du brauchst.

  • Wow... ;( was für ein schöner Brief


    Da hat das Kleine aber Glück gehabt mit seiner Patentante :g7:


    Finde die Idee super, dass es auch später noch was von seinen Taufgeschenken hat.

  • ich finde den Brief auch wunderschön.....


    Da kann sich Dein Patenkind ganz schön was darauf einbilden, so einen Brief bekommt man nicht oft im Leben.


    LG,


    Niggi

  • Ich finde den Brief auch sehr süß.


    Was mich allerdings interessiert: Ist er bewusst rein weltlich gehalten? Schließlich ist die Taufe die Aufnahme in die Gemeinschaft der Gläubigen und prinzipiell die Taufpaten für die christliche Erziehung des Patenkindes mitverantwortlich. Meine Patenkinder bekommen da durchaus ne deutliche Portion von mir mit.

    ~Es ist nicht Deine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist. Es wär nur Deine Schuld, wenn Sie so bleibt~


    I survived the x-fakes.

  • Ja, der Brief ist bewusst weltlich gehalten.


    Ich wurde als eine von zwei Paten auch danach ausgewählt, den "weltlichen" Gegenpart zu übernehmen - es geht den Eltern nicht nur daraum, das Kind in die Gemeinschaft der christlich Gläubigen aufzunehmen, sondern ihm einfach auch einen zuverlässigen Erwachsenen an die Hand zu geben, auf den er auch zählen kann, falls er sich irgendwann gegen die Kirche wenden sollte.


    Ob sich ein Mensch dafür entscheidet, ob er im christlichen Sinne glauben will, muss ihm ja selbst überlassen werden. Aber auch dann braucht er vielleicht einen Menschen an seiner Seite, der ihn unabhängig davon stützt.


    :)


  • Ich wurde als eine von zwei Paten auch danach ausgewählt, den "weltlichen" Gegenpart zu übernehmen -


    :-D Ich musste jetzt gerade an die dunkle Seite der Macht denken, sorry(von wegen Gegenpart und so). :angel:
    Dann ist dein Brief echt toll. Allerdings werde ich meine Patenkinder auch noch lieben, wenn sie sich irgendwann gegen den Glauben entscheiden und ihnen beistehen, auch wenn sie aus der Kirche austreten.
    Dennoch hat die Überlegung deiner Patenkindeltern durchaus Charme - ein Pate fürs religiöse, einen für weltliche...

    ~Es ist nicht Deine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist. Es wär nur Deine Schuld, wenn Sie so bleibt~


    I survived the x-fakes.

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