Schlimme Schicksale - wie geht ihr damit um?

  • Hallo zusammen,


    leider häufen sich in unserem weiteren Umfeld / in der Umgebung momentan die Hiobsbotschaften: Kinder, die überfahren werden, Mütter (auch mit noch ganz kleinen Kindern), die schwer krank werden und dann ganz schnell sterben,...


    Wie geht ihr mit solchen Nachrichten um?


    Mich belastet so etwas extrem. Mag sein, dass ich derzeit noch besonders sensibel reagiere, weil ich ja erst vor wenigen Wochen entbunden habe - ich denke, es gibt da einen Zusammenhang. Fakt ist, dass mich solche Nachrichten richtig runterziehen und ich tage- und wochenlang mitleide. Ich übertrage solche schlimmen Vorfälle immer auf mich selbst bzw. meine Familie (also gerade das Gegenteil von: "Uns passiert das nicht!") und bin ziemlich schlecht im Verdrängen.


    Wie macht ihr das? Oder seid ihr da weniger empfindlich?
    Für mich gibt es keine schlimmere Vorstellung, als eines meiner Kinder (oder gar beide) zu verlieren oder sie nicht so lange ins Leben begleiten zu können, wie dies üblicherweise der Fall ist. Da denke ich sogar manchmal, dass man ohne Kinder "wenigstens" diese Sorgen nicht hat...
    Und ich denke dann manchmal auch, dass wir es auf jeden Fall bei 2 Kindern belassen sollten - je früher die Kinder geboren wurden, umso länger werde ich sie auch im Falle einer tödlichen Krankheit o.ä. (bei mir) begleiten können. Sind solche Gedanken normal???
    Manchmal glaub ich, ich bin ein Fall für nen Psychologen, weil ich so etwas so nah an mich ranlasse...


    Eure Meinungen - und v.a. auch Tipps - würden mich freuen.

  • Tipps kann ich Dir leider keine geben, aber ich kann mich Deinen Worten voll und ganz anschließen. Ich bin bei solchen Themen auch immer sehr sensibel und ängstlich und mach mir damit das Leben manchmal (unnötig?) schwer... Ich versuche (!) dann immer, mir vor Augen zu halten, dass ich die schöne Zeit, die ich JETZT haben kann, genießen muss, schon allein, um im Fall der Fälle nicht das Gefühl haben zu müssen, die "gute" Zeit mit schlechten Gedanken vertan zu haben. Funktioniert leider nicht immer... :S

  • Deine Gedanken und Empfindungen bei solchen Schreckensmeldungen kenne ich nur zu gut...


    Bei mir hat sich diese Angst, mir oder meinen Kindern/meiner Familie könnte Schlimmes widerfahren, in den letzten Jahren sehr gesteigert. Ich versuche selbst noch, dahinterzukommen, wieso... Vielleicht liegt es an den Belastungen, denen ich schon seit mehreren Jahren ausgesetzt bin (Scheidung, Umzug, Fernstudium - auf der positiven Seite aber: die große Liebe gefunden =-) ).


    Ende letzten Jahres hatte ich Angstzustände (mit Schlaflosigkeit, Herzrasen, Atemnot etc.) und Panikattacken. In dieser Zeit konnte ich keine Nachrichten im TV sehen, ohne jede Katastrophe auf mich zu übertragen...


    Vielleicht sind wir einfach ängstlicher als andere (evtl. liegt das bei mir auch an der Erziehung - meine Mutter hat mich immer sehr behütet und mir alle möglichen Gefahren aufgezeigt...).


    Mir hat man empfohlen, eine spezielle Therapie zu machen, damit ich mit solchen Ängsten besser umgehen lerne. Ich habe das Angst-Problem zwar schon selbst ganz gut in den Griff bekommen, denke aber immer wieder über eine solche Therapie nach (hilft ja evtl. auch gegen Flugangst, die ich auch habe... :rolleyes2: )


    Bin gespannt, was Andere hier noch zu dem Thema sagen...


    LG,
    Mia

  • Ich "ticke" da sehr ähnlich wie du!
    Gerade als das mit FaLus Nr.2 passiert war, konnte ich keinen klaren Gedanken mehr fassen...alles drehte sich um das "Was wäre, wenn...?"...Oder Steffi...und dabei kenne/kannte ich beide nichtmal persönlich! ;(


    Im nahen Umfeld geschehen auch bei mir im Moment sehr viele schlimme Dinge, sodass ich manchmal in ein richtiges Loch falle! ;(


    Was mir dann hilft, ist, mit meinem Mann darüber zu reden! Auch wenn er mir meist nicht wirklich helfen kann (meine Gedankengänge auch oft nicht nachvollziehen kann), hört er mir dennoch zu...und das allein kann schon tröstend und aufbauend sein! Dafür bin ich ihm sehr dankbar! :love:

  • Liebe C., liebe S.,


    ach, ich wisste es ja schon: Da ist schon wieder eine Gemeinsamkeit.


    Mir geht es genau so. Mein Kopf schwirrt schon, wenn ich nur die Überschriften in den Nachrichten lese oder von meinem Mann höre, was für schreckliche Meldungen über den Ticker kamen.


    Es beginnt ein Gedankenkarussell und ich werde sehr traurig. Normalerweise neige ich überhaupt nicht zur Depression, aber in Bezug auf Kinder und Unfälle / Krankheiten etc zieht es meine Stimmung sehr nach unten. Auch ich habe Angst um meine Kinder.


    Einen Tipp kann ich auch nicht geben, gerade wenn gehäuft solche Meldungen kommen, dauert es, bis ich wieder an etwas anderes denken kann. Schöne Dinge helfen, schöne Ereignisse, schöne Nachrichten (Geburten im Freundeskreis, die gut endeten z.B)


    Wichtig ist ja vor allem, dass man dies nicht auf die Kinder projiziert und sie damit auch in ihrer Unbefangenheit hemmt.


    Jule

  • Mein Mann ist ziemlich gut im Verdrängen und kann mir da nicht so recht helfen... Er meint halt immer, ich soll solche Gedanken gar nicht zu Ende denken usw. - leicht gesagt!
    Vielleicht hab ich momentan auch zu viel Zeit. Wenn ich arbeite, ist es evtl. weniger schlimm (wobei es damals, als der Amoklauf passierte, auch schrecklich war - da fühlte ich mich sehr betroffen, weil es nicht weit entfernt passierte und ich eben Lehrerin bin).


    Ich bin mir aber sicher, dass es v.a. mit dem Muttersein zu tun hat.
    Die Frage ist halt einfach, wie man damit umgehen kann? Ich hab zwar keine Panikattacken o.ä., aber es wäre vielleicht auch besser, es gar nicht erst soweit kommen zu lassen und das "Problem" schon jetzt anzugehen. Ich denke, dass sonst evtl. auch die Gefahr besteht, depressiv zu werden.


    EDIT: Überschnitten...


    julile & Tastenhase,
    genau das versuch ich auch gerade: positive Dinge zu erleben und zu genießen, das Leben JETZT so schön wie möglich zu gestalten und positiv zu denken. Ist aber nicht immer so leicht... :uhoh:

  • Hallo,


    solange es nicht meine direkte Familie betrifft, vertränge ich auch ganz erfolgreich. Letztes Jahr ist mein Opa mit 98 Jahren sehr plötzlich gestorben und ich denke es war ander Zeit und dass er nicht mehr leben wollte. Seine Frau ist vor ca. 1 Jahr gestorben und da hat er gefragt warum er seine Frauen immer überlebt. Meine Oma ist 4 Wochen vor meiner Geburt gestorben. Wie ich bei meinen Eltern, Geschwistern oder sogar bei meinem Mann reagiere weiß ich nicht. Aber wir reden uns bis jetzt erfolgreich ein, dass jeder seine vorbestimmt Zeit hat ....


    Lg

  • Guten Morgen Ihr Lieben,


    ich habe zwar noch keine Kinder, aber mich beschäftigt das Thema auch sehr.


    Früher war ich da auch nicht so sensibel. Ich war zwar immer schockiert und traurig wenn ich von anderen Schicksalsschlägen erfahren habe, habe dies aber nie auf mich und meine Familie/Freunde übertragen oder in Verbindung gebracht.


    Die letzten (2-3) Jahre hat sich das geändert und ich habe das Gefühl, das sich die Schicksalsschläge um mich herum häufen und oft drängt sich mir die Frage auf "Wann passiert bei uns etwas so schlimmes?"
    Ich will sowas gar nicht denken, aber diese Frage taucht nun sehr häufig bei mir auf und macht mir Angst ;(


    Erst vor kurzem ist ein Bekannter (37) kerngesund, sehr sportlich, 2 Kinder und glücklich verheiratet einfach auf dem Weg zur Arbeit tot umgefallen - seine Frau fand ihn vor seinem Auto.
    Ich dachte mir bleibt die Luft weg als ich davon erfahren habe. Mir ist mal wieder klar geworden, das so etwas JEDEN treffen kann und das macht mir dermaßen Angst...


    Wie ich diese Angst-Gefühle bekämpfen kann, weiss ich nicht...


    LG Nieschen

  • Hallo!


    Das ist eine gute Frage. Leider hat mich das Schicksal selbst schon öfter persönlich hart getroffen. Meine Eltern sind gestorben. Der Tod meiner Mutter war für mich, bis heute, das schlimmste was ich erleben musste und danach hatte ich die schlimmste Zeit meines Lebens. Ständig war ich auch in Angst, dass wieder etwas schlimmes passiert.


    Wenn ich von fremden Schicksalen höre, dann betrifft mich das sehr. Ich versetze mich in die Lage der Betroffenen und kann untröstlich sein. Zum Glück gibt sich das aber wieder. Man kann nicht ständig mit solchen Gedanken leben, das macht krank.


    Am Wochenende war ich in Hamburg und habe am Bahnhof Jungfernstieg ein Blumenmeer mit Kerzen vorgefunden. Wir sind näher hingegangen und mussten lesen, dass dort am 17.05. ein 19-jähriger Junge um 21.25 erstochen wurde. Einfach so. Ich war entsetzt und konnte es kaum fassen. Die armen Eltern...das kann sich keiner vorstellen. Was ist das für eine Welt, in der wir leben? All diese Dinge gingen mir durch den Kopf, bis ich plötzlich derart in Tränen ausgebrochen bin, dass ich den Ort verlassen musste. Natürlich habe ich den Jungen nicht vergessen, aber ich konnte zumindest einen schönen Tag verbringen. Verdrängen ist wohl eine gute Beschreibung dafür.


    Auch Steffis Tod hat mich stark beschäftigt und tief berührt.


    Ansonsten versuche ich mir wirklich zu sagen, dass es nicht hilft über Dinge nachzudenken, die geschehen könnten. Es reicht, dann zu handeln, wenn sie eingetreten sind. In den meisten Fällen geschieht sowieso kaum das, was man befürchtet. Frei nach dem Motto "sorge Dich nicht, lebe!"


  • Ansonsten versuche ich mir wirklich zu sagen, dass es nicht hilft über Dinge nachzudenken, die geschehen könnten. Es reicht, dann zu handeln, wenn sie eingetreten sind. In den meisten Fällen geschieht sowieso kaum das, was man befürchtet. Frei nach dem Motto "sorge Dich nicht, lebe!"


    Das versuche ich auch - es bringt ja nichts, wenn ich mir ständig Sorgen mache. Im Gegenteil: dann bin ich bedrückt und kann die schöne Zeit mit meiner Familie gar nicht richtig genießen. Also werde ich eben weiterhin versuchen, solche Dinge nicht zu nah an mich ranzulassen. Vielleicht gelingt es mit der Zeit ja besser...

  • Ich bin ja eigentlich ein sehr positiver und kein ängstlicher Mensch, aber seitdem ich meine Kleine habe, habe ich auch dieses Gedankenkarussel, was wäre wenn meiner Kleinen oder mir passieren würde, etc.


    Mein Mann sagt auch, ich soll mir nicht immer solche Sorgen und Gedanken machen und ich versuche sie zu verdrängen, was aber gar nicht immer so einfach ist.


    Letzte Woche habe ich einen schlimmen "Schub" gehabt, weil ein familiäres Problem immer schlimmer wird und da kamen dieselben Gedanken wie Du verlockend sie hattest: Was, wenn ich mein Kind nicht lange genug in ihrem Leben begleiten kann? Wer kümmert sich um sie? Wer begleitet sie? Die Gedanken drehten sich bei mir so schlimm, dass ich nun dabei bin persönliche Briefe an meine Liebsten schreibe, falls der schlimmste Fall eintreten soll, wo ich meine Wünsche, die meine Kleine betreffen, niederschreibe. Irgendwie ist es etwas beruhigender für mich, aber auf der anderen Seite als Außenstehender bestimmt merkwürdig, oder? (Da glaube ich auch manchmal, dass ich ein Fall für den Psychologen wäre.)

  • Prinzipiell bin ich ein sehr emotionaler, mitfühlender, sozialer Mensch.


    Ich reagiere sehr sensibel auf das, was in meiner Umwelt passiert und nehme dementsprechend Anteil an Menschen und deren Schicksalen.


    Ich habe...hatte...jedoch viele Jahre die Tendenz, mich in eben solche Schicksale und damit verbunden in meine eigenen Ängste (die einem doch erst dann sehr stark vor Augen geführt werden, wenn andere Menschen von einem Schicksalsschlag betroffen sind und man sich fragt "Was wäre, wenn mir das passiert wäre?") hineinzusteigern.


    Ich habe diesen Ängsten mehr Platz in meinem Leben eingräumt, als es gut gewesen wäre. Dies ist eine Spirale, aus der man selbst - zumindest meiner Meinung nach- nur sehr schwer wieder herausfindet. Ich zumindest habe die Unterstützung von Außen benötigt.


    Nun denke ich, dass ich mittlerweile eine gute Mischung gefunden habe.


    Nach wie vor berühren mich Schicksale, nach wie vor bin ich sensibel und emotional.


    Ich habe jedoch auch gelernt, zu differenzieren, was ich in welchem Ausmaß an mich heranlasse. Dies ist zum einen reiner Selbstschutz, zum anderen - sind wir einmal ehrlich - hilft es Menschen, die von einem schweren Schicksalsschlag betroffen sind, nicht weiter, wenn ich weinend und voll Trauer (überspitzt formuliert) mitleide und mir die schwärzesten Szenarien ausmale.


    Anteilnahme: ja! Sicherlich!


    Aber nur so viel, wie ich geben kann, ohne mich selbst in die Tiefen ziehen zu lassen, in denen ich mich vor einigen Jahren befunden habe.


    Ich versuche, Menschen, die leiden, Liebe zu geben, Kraft, Hoffnung, tatkräftige Unterstützung. Das ist meine Art zu zeigen, dass ich Anteil nehme.

    "Zufällig sieht man sich. Man fühlt. Man bleibt. Und nach und nach wird man verflochten."
    Goethe


    Edited once, last by Mikka ().

  • Bei mir gibt es immer mal wieder Phasen, wo diese Ängste schlimm sind. Eben wenn ich entsprechendes lese. Z.B. habe ich in nem anderen Hochzeitsforum nun gelesen, dass von einer Userin der mann kürzlich tödlich verunglückt ist. Das sind dann auch Momente, wo die Angst kommt, mir könnte sowas auch passieren. Das sind dann auch Tage, da denke ich den ganzen tag nur: Was macht mein Mann gerade, geht es ihm gut etc.. Da kann ich mich dann auch kaum auf anders konzentrieren... ?-(


    Auch vor dem Tag, an dem ich meine Eltern nicht mehr habe, habe ich unheimliche Angst. Ich versuche da nicht soo oft dran zu denken. Allerdings ist mein Papa nun 70 und da kann es ja auch "normal" schon leider recht schnell gehen.


    Aber die meiste Angst habe ich wirklich davor, dass meinem mann was passieren könnte. Er ist nunmal der wichtigste Mensch in meinem Leben. :g7:


    Ich denke, es ist immer normal, dass einem Schiksale, die einen selber treffen könnten mehr berühren, als andere. Wir tz.B. haben keine Kinder und planen ja auch keine. Von daher finde ich es natürlich immer schlimm und traurig, wenn nem Kind was passiert. Aber es bringt mich halt nicht so aus der Fassung, wie wenn ich irgendwo lese, dass ein Partner von wem tödlich verunglückt oder durch schwere Krankheit verstorben ist. Eben weil ich dann immer in den Gedankengang lande: Oh Gott, wenn es mein Mann wäre.


    Was dagegen hilft, weiß ich nichtwirklich .Ich persönlich versuche, solche Sachen nicht so viel zu lesen bzw dann auch Abstand von zu nehmen.


    MmeButterfly: Ich finde das als Außenstehende eher vernünftig und völlig ok. Ist ja fast wie ein Testament machen. Und wenn man Kinder hat, hat man nunmal ne große Verantwortung. Da finde ich es völlig ok und fast sogar ein Muß, dass man in irgend einer Form auch schriftlich niederläßt, was im schlimmsten aller Fälle mit den Kindern passieren soll...


    LG .melli

  • Mich treffen solche Meldungen immer sehr. Ich hab dann schon auch immer den Gedanken, was ist wenn uns sowas auch passiert? Aber ändern kann mans ja nicht und in die Zukunft sehen auch nicht. Von daher sehe ichs immer so, das ich sehr sehr dankbar bin das uns noch nie etwas wirklich schlimmes passiert ist. Auch in unserer Familie gab es noch nie ernsthafte Krankheitsfälle (Krebs oder ähnliches) und ich hab bisher auch kein Familienmitglied verloren (Ausser einige tierische Mitbewohner). Jedenfalls keine so nahen Verwandten das ich mit näher damit beschäftigt hätte. Von daher sehe ich dann auch oft davon ab mich über irgendwelche Kleinigkeiten aufzuregen die eigentlich gar nicht nennenswert sind sondern bin dankbar für das was ich alles habe.

  • @Mme Butterfly,
    ich finde das gar nicht seltsam - ich mache das auch. Also ich hab an unsere Große schon Briefe geschrieben, als sie frisch geboren war und werde es auch bei dem Kleinen wieder machen. Und ich denke, ich werde auch mal niederschreiben, was ich mir im Falle eines Falles für meine Kinder wünsche.
    Mein Mann weiß schon, dass er dann weniger schimpfen dürfte usw. ;)

  • Bis vor zwei Jahren waren meine Gedanken; Oh Gott ist das schlimm und schrecklich und beruhigt habe ich mich mit dem Gedanken, es betrifft dich nicht selber.
    Und dann kam der Tag, an dem wir erfahren haben, dass mein Mann an Krebs erkrankt ist. Und, speziell mir, zog es den Boden unter den Füßen weg und das Leben lag in einem Scherbenhaufen vor mir.
    Ich musste lernen, gewisse Dinge zu akzeptieren und dass nicht alles immer toll und super, vor allem nicht nach meiner Vorstellung, läuft.
    Ich habe gelernt, mit der Krankheit meines Mannes umzugehen, damit zu leben - auch wenn es immer wieder Momente gibt, in denen man es nicht wahr haben möchte.
    Meine Einstellung zum Leben hat sich grundsätzlich geändert - wir haben gelernt, dass sich das Leben in Bruchteilen von Sekunden ändern kann und genießen eigentlich jede Minute.


    Claudia

  • Hi,


    ich finde das ganz normal. Also jedenfalls geht es mir auch so, woraus ich auf Normalität... :D Also im Ernst: Mir gehts gleich. Seitdem Livia da ist, ist Krankheit, Tod, Sterben ein "gefährliches" Thema und wenn es im Umfeld passiert - puh!
    Ich finde es normal, denn wir hatten noch nie so viel Verantwortung und wir waren nie so verletzlich wie wir es mit Kindern sind. Was ist mit Livia, wenn ich sterbe? Wie sollte ich es überleben, wenn Livia...??


    Ich versuche so damit umzugehen, dass ich mich beruhige. "Die meisten Menschen sterben, wenn sie alt sind." "Es erscheint mir heute gefährlicher, es ist nicht gefährlicher als sonst." Ich relativiere und ich schiebe weg - einerseits. Man muss es auch mal durchüberlegen. Was würde passieren? Ich würde das gemein finden, wenn ich sterben müsste, aber mein Mann würde gut auf Livia schauen und einige meiner Freundinnen hätten bestimmt immer wieder ein Auge auf sie. Sie ist in eine Welt hineingeboren worden, in der sie schon erwartet wurde. Natürlich haben wir uns am meisten gefreut. Aber andere haben sich mit uns gefreut und manche von ihnen würden sich kümmern - es genügt ja schon ein Anruf, ein Eis essen gehen, einfach da sein. Livia ist also nicht nur von mir abhängig. Obwohl mir (und meinem Mann) ihr Wohl natürlich am allermeisten am Herzen liegt und wir als Einzige ALLES für sie tun würden. Aber Menschen werden auch anders groß und müssen deswegen kein katastrophales Leben haben.
    Ich habe ihre Taufpatin übrigens danach ausgesucht, dass ich _weiß_, dass sie sich kümmert. Selbst wenn wir uns zerstreiten sollten, wird sie ihr nie egal sein.


    Die andere Seite: Ich denke mir, ich würde aus dem Fenster springen.. Aber ich täte es natürlich nicht. Wegen meinem Mann - sowas darf man niemandem antun. Und ein zweites Kind ist in so einem Fall sicher ein Grund, weshalb man weitermacht.
    Ich weiß nicht, _wie_ man das überlebt, aber man kann. Vermutlich tauchen dann Menschen auf, die einem Mut zusprechen (man sieht es ja auch hier). - Es gibt immer Mutige, die das irgendwie aushalten können, die in Lebenssituationen sind, wo sie mehr Distanz haben. Das heißt, es ist - meiner Meinung nach - nicht schlimm, wenn man nicht so gut für jemanden da sein kann. Nicht jeder ist in jeder Lebenslage zu allem fähig.


    Während ich mit Livia schwanger war, ziemlich am Ende, hat eine Bekannte ihr Kind verloren, mitten in der Schwangerschaft. Sie hat es mir nicht erzählt, weil sie mir keine Angst machen wollte (wir sehen uns selten). Es hat ein Begräbnis gegeben, einen Gottesdienst... Jemand anders hat es mir dann erzählt. Natürlich hatte ich dann mehr Angst. Wenn "neben mir" sowas passiert (auch wenn wir uns nicht oft sehen, sind in gewisser Weise verbunden), macht das Angst.


    Und letztlich: Ja, so ist es. Die großen Themen machen vor unseren Vorstellungen von einem guten Leben nicht Halt. Ich glaube, mit einer weiteren Sicht, mit einem Gott, mit einer Vorstellung vom Jenseits, wird solches leichter. Das heißt nicht, dass man sich einreden soll, dass es einen Gott gibt und wie ersie sein könnte... Das wäre zu einfach. Aber man kann Gott einmal irgendwie denken, die Erfahrungen von anderen hören... Eine Freundin, die ihr Kind verloren hat, sagte einmal:"Vielleicht war Gott mein Freund, der damals stundenlang bei mir war und meinen Kummer und meine Wut ausgehalten hat." Meine persönliche Erfahrung, nach einer plötzlichen Trennung war, dass Leute von früher aufgetaucht sind, mich getröstet haben. Ich war getragen, habe die Zeit überstanden und dann waren sie wieder weg. Es ist nicht so, dass Leute immer weglaufen, wenn was ist. Es ist sogar so, dass immer wer oder etwas da ist, der uns aushalten hilft. Egal ob das ein Mensch ist, ob es ein Gedanke ist, den ich vielleicht sogar in einer saudummen Zeitung lese.


    Liebe Grüße


    Kathi

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