Bin ich zu gutmütig oder zu ungeschickt?

  • So sehr mir mein Strudium Spass macht, habe ich mir jetzt doch etwas Ärger eingehandelt:


    Ich habe letztes Semester mit einer anderen Studentin zusammen ein Referat gehalten, dessen Text aber komplett von mir stammt. Da sie zeitlich nicht hingekommen und das ganze Referat dann nicht zustande gekommen wäre, habe ich ihr meinen Text zum Vortragen bewußt überlassen und das war so auch in Ordnung für mich.


    Allerdings mussten wir unabnhängig davon, aber zum gleichen Thema, auch ein Essay verfassen, für das ich natürlich auf meinen Referatstext zurückgegriffen habe. Naja - meine Kommilitonin wohl auch, denn nun wurden wir beide zur Dozentin gebeten, weil unsere Essays so viele textliche Übereinstimmungen aufweisen.


    Mir ist das jetzt soooo unangenehm. Meine Kommilitonin hat das sicher nicht aus böser Absicht getan, sondern einfach, weil sie nicht kapiert hat, das ihr Text keine Zusammenfassung des Referats, sondern unabhängig davon sein soll.
    Aber ich habe in meinen Essay so viel "Herzblut" gelegt und war gespannt auf die inhaltliche Wertung und mich jetzt mit solchen "Formalia" herum schlagen zu müssen, geht mir schon sehr auf meine (soziophoben) Nerven. Die Benotung ist für mich dabei zweitrangig (abgesehen davon ist es leicht ersichtlich, von wem der Text ursprünglich stammt), aber den Ärger habe ich halt doch.


    Muss ich denn wirklich jedes Fettnäpfchen finden?



    Gruß, Susanne

  • Puh... kommt es in Frage, die Wahrheit zu sagen oder bekommt die Studentin dann Probleme?
    Besteht die Gefahr, dass man ihr einen Schein aberkennt?


    Wie auch immer: Ich würde ihr auf jeden Fall ins Gewissen reden und dann gemeinsam überlegen, wie man das der Dozentin vorträgt.


    Ob Du zu gutmütig bist? Ich glaube nicht. Sauer wäre ich an Deiner Stelle trotzdem, denn sie hat Dich irgendwo ausgenutzt.

  • Ich würde mit der Studentin über wissenschaftliches Arbeiten sprechen und der Dozentin den Sachverhalt wahrheitsgetreu schildern. Mit etwas Verständnis wird sie sehen, dass du über die heutige Studierendengeneration und ihre Abschreibetechniken nicht im Bilde warst und den IQ deiner Mitstudentin aus Mangel an Vergleichen überschätzt hast.


    Wenn die Studentin nicht 17 und im 1. Semester ist, sollte sie wissen, dass sie Fremdtexte nicht einfach so übernehmen kann. Falls sie diesbezüglich ignorant ist, muss sie den Schein eben noch mal machen.


    Du bist zu gutmütig. ;)

  • Wenn die Studentin nicht 17 und im 1. Semester ist

    Doch, genau das ist sie (vielleicht auch schon 18).

    Besteht die Gefahr, dass man ihr einen Schein aberkennt?

    Naja, es war ein Einführungs-Proseminar und die Idee, ein Referatsthema zu teilen (bzw.: die Aufteilung blieb ja uns überlassen: sie hat den Feinschliff der Formatierung der Präsentation übernommen) und dann zwei unabhängige Essays zu erwarten, fand ich von Anfang an schon nicht so geglückt. Ich würde ihr noch eine Chance geben.


    Ich hätte auch wirklich nie damit gerechnet, dass sie es selbst für ihr Essay nicht fertig bringt, sich mal auf ihre vier Buchstaben zu setzen und sich den Text (es ging nur um einen einzigen Artikel) anzuschauen, aber damit

    und den IQ deiner Mitstudentin aus Mangel an Vergleichen überschätzt hast.

    hast du wohl auch recht.


    Da ich ja auch noch die erste Woche fehle ("Kurlaub" mit Sohnemann), ist das wirklich ein sehr bescheidener Semesteranfang.



    Gruß, Susanne

  • Ich würde dem Dozenten einfach sagen, dass ihr ja ein gemeinsames Referat gehalten habt, was eben jeder als Grundlage für sein Essays genutzt hat und es daher natürlich zu Übereinstimmungen kommen kann.

  • Versteh ich das richtig: Ihr solltet gemeinsam ein Referat auf Basis von einem einzigen Artikel halten und zum gleichen Thema auch Essays schreiben?
    Dann halte ich ehrlich gesagt schlicht die Dozentin für ungeschickt, denn es ist doch mehr als wahrscheinlich, dass sich die Essays dann ähneln. Dennoch ist es natürlich nicht in Ordnung, dass deine Kommilitonin ganze Formulierungen von dir übernimmt, aber dennoch mit ihrem Alter bzw. dem 1. Semester und entsprechender Unsicherheiten nachvollziehbar.

    ~Es ist nicht Deine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist. Es wär nur Deine Schuld, wenn Sie so bleibt~


    I survived the x-fakes.

    Einmal editiert, zuletzt von A_n_K_a ()

  • Ich bin da bei wolkenland. Es war unklug von dir, das Referat für sie zu schreiben. Dass sich diese Studenten heutzutage nicht mehr auf ihre 4 Buchstaben setzen und Grundlagentexte lesen, ist kein Wunder - in der Schule läuft's ja genau so. Die hat euch den Schlamassel durch ihre Untätigkeit eingebracht, also muss sie ihn ausbügeln.
    Allerdings würde ich trotzdem erst mal das versuchen, was susannea vorschlägt. Wenn das zieht, würde ich der jungen Dame aber trotzdem genau erklären, was für Bockmist sie gebaut hat.

  • Ich sehe das ein wenig anders. Ja, Du bist zu gutmütig.
    Das ist für mich nicht nachvollziehbar, dass Du alles alleine machst. Und dass sie dann noch Deine Formulierungen übernimmt... :nono:


    Also ich finde, dass die andere Studentin das ausbügeln muss. Sie soll sich mal was einfallen lassen!

    Dito. Das Studium ist noch lang, und sowohl die andere als auch Du müssen lernen, dass man sich im Leben nicht auf den Lorbeeren anderer ausruhen und ebenso dem andern nicht alles nachtragen kann.


    Ich würde auch der Dozentin die Wahrheit sagen.

  • Versteh ich das richtig: Ihr solltet gemeinsam ein Referat auf Basis von einem einzigen Artikel halten und zum gleichen Thema auch Essays schreiben?
    Dann halte ich ehrlich gesagt schlicht die Dozentin für ungeschickt, denn es ist doch mehr als wahrscheinlich, dass sich die Essays dann ähneln.

    Ja, genau so ist es. Ich habe sie im Vorfeld sogar darauf angesprochen, aber sie meinte nur, für den Essay soll sich jeder seinen eigenen Schwerpunkt suchen. Ich denke, das war eher ein Schnellschuss der Dozentin, da sie für meine Mitreferentin, die erst später dazu kam, noch schnell ein Thema gesucht hat und dann eben mich bzw. meinen Text ausgesucht hat , "weil der so lang ist" (aber deshalb noch lange nicht gut teilbar).


    Die hat euch den Schlamassel durch ihre Untätigkeit eingebracht, also muss sie ihn ausbügeln.

    Da wir getrennt "eingeladen" wurden und ich in der ersten Semesterwoche nicht da bin, wird sie auf jeden Fall erst einmal allein "bügeln" müssen. Da muss sie allein schauen, was sie sagt.
    Die Wahrheit ist ja offensichtlich. Abgesehen von stilistischen Kriterien fehlen meiner Kommilitonin sämtliche Quellenangaben, da die in meinem Vortragstext natürlich nicht drin standen (und ich bin ein wirklicher Quellen-Junkie).


    Das Studium ist noch lang, und sowohl die andere als auch Du müssen lernen, dass man sich im Leben nicht auf den Lorbeeren anderer ausruhen und ebenso dem andern nicht alles nachtragen kann.

    Ja, da muss ich wohl noch an meiner "Positionierung" arbeiten. Einerseits will ich eine ganz normale Erstsemester-Studentin sein, andererseits habe ich aber bei vielen (nicht allen!) Kommilitonen das Gefühl, "die Kinder" ein bisschen an die Hand nehmen zu müssen.



    Gruß, Susanne

  • Da wir getrennt "eingeladen" wurden und ich in der ersten Semesterwoche nicht da bin, wird sie auf jeden Fall erst einmal allein "bügeln" müssen. Da muss sie allein schauen, was sie sagt.


    Na hoffentlich haut sie Dich dann nicht noch in die Pfanne! Ich will ihr ja nichts unterstellen, aber ähnliche Dinge habe ich in meiner Studienzeit erlebt bzw. mitbekommen. Einige gutmütige Kommilitonen wurden von einigen anderen skrupellosen Personen echt in die Pfanne gehauen. Die haben die ganze Arbeit gemacht und dann haben die anderen es als ihre ausgegeben. Das ging dann einmal sogar so weit, dass diejenige, von der der Text eigentlich stammte und die die ganze Arbeit gemacht hat, sich ein neues Thema suchen musste, weil die "Kollegin" ihr Exzerpt etwas eher abgegeben hat und es ja quasi gleich war.


    Die Wahrheit ist ja offensichtlich.


    Das hoffe ich für Dich! Und natürlich, dass die Mitreferentin einen guten Kern hat.


    Einerseits will ich eine ganz normale Erstsemester-Studentin sein, andererseits habe ich aber bei vielen (nicht allen!) Kommilitonen das Gefühl, "die Kinder" ein bisschen an die Hand nehmen zu müssen.


    ;) Aber das darfst Du wirklich nicht zu sehr ausstrahlen, denn sonst passiert Dir so etwas wohl immer wieder.

  • Na hoffentlich haut sie Dich dann nicht noch in die Pfanne! Ich will ihr ja nichts unterstellen, aber ähnliche Dinge habe ich in meiner Studienzeit erlebt bzw. mitbekommen. Einige gutmütige Kommilitonen wurden von einigen anderen skrupellosen Personen echt in die Pfanne gehauen. Die haben die ganze Arbeit gemacht und dann haben die anderen es als ihre ausgegeben.

    Wie gesagt, das funktioniert hier nicht, da ihr die Belege fehlen.
    Aber mit Ärger für mich rechne ich trotzdem. :blackeye:


    Gruß, Susanne

  • Ich glaube nicht, dass Dir die Dozentin unbedingt den Kopf wäscht, wenn Du Ihr den Fall ehrlich schilderst. Wenn man selbst den Text bereits komplett durchgearbeitet und aufbereitet hat, dann zu sagen, ätsch ich geb ihn dir nicht, das bringen nur die ganz Hartgesottenen fertig.


    Je nachdem, wie die Dozentin so drauf ist, würde ich an Deiner Stelle aber mal mit ihr ein Gespräch zur Problematik suchen. Du hast bereits ein Studium erfolgreich abgeschlossen und brauchst diesen Propädeutik-Kram eigentlich nicht mehr. Da ist es verständlicherweise schwierig, sich in Arbeitsgruppen mit lauter Quietschies einzufügen.


    Übrigens: Selbst wenn es nicht den Fußnotenbeweis gäbe: Die Dozentin wüsste mit Sicherheit auch so, wer das schwarze Schaf ist, sie hat sich ja wahrscheinlich ein ganzes Semester ein Bild von Euch beiden machen können.


    Aus Interesse: Was studierst Du denn?


  • Die Wahrheit ist ja offensichtlich. Abgesehen von stilistischen Kriterien fehlen meiner Kommilitonin sämtliche Quellenangaben, da die in meinem Vortragstext natürlich nicht drin standen (und ich bin ein wirklicher Quellen-Junkie).


    Also spätestens an dieser Stelle wär ich ja an deiner Stelle AUSGEFLIPPT!!! Wie kann das Mädel nur so dumm sein? Jeder Oberstufenschüler weiß, wie man zitiert!

  • Also ich würde auch keine übermäßige Sorge haben. Mit dem Mädel würde ich das besprechen und mit der Professorin musst Du eh reden. Und wenn Du in den Geruch kommst, abgeschrieben zu haben, sagst Du halt wie es war...

  • red mit beiden, wie du es siehst und wie das gelaufen ist und buch es unter "Erfahrung" ab... der Lernprozess hört ja bekanntlich nie auf ;)

  • Ich wuerde im Vorfeld mit der Kommilitonin reden und ihr klipp und klar sagen, dass sie das bereinigen soll, weil du es auf jedefall klar stellen wirst. Ich wuerde das Ganze auch so aufziehen, dass es nicht persoehnlich wird (von wegen wie naiv und dumm bist du denn, auch wenn wir alle hier das, glaube ich, denken) sondern das du ganz schlicht und einfach was besseres mit deiner Zeit anzufangen weisst, als fuer andere mitzuarbeiten und vielleicht sogar noch doppelte Arbeit zu haben (weil neues Thema oder so).


    Uebrigens ueberrascht mich echt nichts mehr was Erstsemester angeht...ich hatte da schon alles von 'was ist eigentlich eine Signatur (bei Bibiliotheksbuechern)' ueber 'wie heisst du denn ueberhaupt (mit frechem Unterton, und ja, ich sehe wie eine Studentin aus auch wenn ich meine Haare schon lange faerben muss) bis hin zu 'ich weiss nicht ob mich des so richtig interessiert'....... :cursing:


    Eigentlich alles bei Erstsemestlern im Einfuehrungskurs erlebt. Da wundert mich die Einstellung zwecks Abschreiben/keine Quellen markieren eigentlich nicht wirklich.....leider :uebel:


    Und nein...du hast nicht die Aufgabe sie bei der Hand zu nehmen. Du kannst wertvolle Tipps verteilen...aber du hast genug selber an der Backe und wenn sie das nicht lernen....dann ist studieren eben nicht das Richtige fuer die...


    :wave: Laugele

  • Ach ja... sowas kenne ich auch. Aber mit der Wahrheit fährt man immer noch am besten. Ich hoffe für dich, dass alles gut ausgeht. Außerdem kann ich mich Kadue anschließen: Verbuch es unter Erfahrung. Ich hab hier in der Uni auch Sachen erlebt... Ich bin einfach manchmal zu lieb und naiv.


    Ich finde es aber etwas gemein, was hier über Erstis geschrieben wird. Es ist doch wohl klar, dass nicht jeder in seiner Schulzeit lernt, wie eine Bibliothek aufgebaut ist (obwohl das natürlich wünschenswert ist), oder wie eine Hausarbeit oder ein Handout aufgebaut werden muss usw. Was ist denn mit "Es gibt keine dummen Fragen"? Gerade als Ersti hat man doch viele Fragen, die man wohl auch stellen darf!? Ich wusste auch wenig und habe gemerkt, was ich alles in der Schule hätte lernen müssen. Ich hätte heulen können, als ich alleine vor meiner ersten Hausarbeit saß. Aber Übung macht ja bekanntlich den Meister und nach ungefähr 25 Hausarbeiten à 20 Seiten bin ich Profi. :thumbups:
    Und Laugele, wenn du aussiehst wie eine Studentin, dann darfst du es ihnen doch auch nicht übel nehmen, oder? Ich kenne ja deine Position und Aufgaben nicht. Aber vllt. denken sie, dass du eine Studentin bist, die sie wie eine Dozentin behandelt (bei der Erstiveranstaltung beispielsweise) und das wirkt einfach komisch und daher kommt auch der freche Unterton?

Jetzt mitmachen!

Sie haben noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registrieren Sie sich kostenlos und nehmen Sie an unserer Community teil!